Der Private-Credit-Markt war das große Versprechen der Wall Street: höhere Renditen, geringere Volatilität, unkomplizierte Kreditvergabe abseits der regulierten Banken. Jetzt zeigt sich, dass dieses Versprechen auf tönernen Füßen steht. Blackstone BCRED, der größte Private-Credit-Fonds der Welt, verzeichnet Abflüsse von 6,5 Milliarden Dollar. Die Anleger wollen raus — aber viele können nicht.

Die Renditen der großen Player sprechen Bände: BlackRock HPS liefert nur noch 9,3 Prozent, Morgan Stanley kommt auf 10,9 Prozent — das klingt nach viel, aber bei einer Ausfallrate von 9,2 Prozent, wie Fitch sie gerade gemeldet hat, bleibt real kaum etwas übrig. Blue Owl hat bereits begonnen, Rücklösungen einzuschränken — ein klassisches Warnsignal, das man sonst nur von Hedgefonds in der Krise kennt.

Das eigentliche Problem liegt tiefer: Ein großer Teil der Private-Credit-Portfolios steckt in Software-Unternehmen, die jetzt von Künstlicher Intelligenz kannibalisiert werden. Die Bewertungen dieser Firmen waren auf Wachstum ausgelegt, das jetzt nicht mehr kommt, weil KI die gleichen Aufgaben schneller und billiger erledigt. Die Kredite werden faul, aber weil es keinen öffentlichen Markt gibt, sieht man die Verluste nicht in Echtzeit.

Der Private-Credit-Markt ist mit 2,1 Billionen Dollar inzwischen so groß, dass er systemisch relevant ist. Er ist größer als der gesamte High-Yield-Bond-Markt, aber praktisch unreguliert. Es gibt keine tägliche Preisfindung, keine Transparenz, keine Einlagensicherung. Wenn dieser Markt kippt, gibt es keine Zentralbank, die einspringen kann — weil offiziell gar kein Problem existiert, bis es zu spät ist.