Die Federal Reserve hat geliefert, was alle erwartet haben — und doch hat es eingeschlagen wie eine Bombe. Die Zinsen bleiben bei 3,50 bis 3,75 Prozent, keine Überraschung. Aber der Dot Plot hat die Märkte geschockt: 7 von 19 Fed-Mitgliedern erwarten für den Rest des Jahres null Zinssenkungen. Keine einzige. Die Inflationsprognose wurde auf 2,7 Prozent angehoben — weit entfernt vom Zwei-Prozent-Ziel.

Die Reaktion war brutal. Der Dow Jones stürzte um 768 Punkte auf 46.225. Die Anleihemärkte preisten sofort das Szenario ein, das niemand hören will: Stagflation. Steigende Preise bei gleichzeitig schrumpfender Wirtschaft — das Worst-Case-Szenario für jede Zentralbank, weil es kein geldpolitisches Werkzeug dagegen gibt. Senkt man die Zinsen, befeuert man die Inflation. Erhöht man sie, erwürgt man die Wirtschaft.

Auch global ist die Zinswende passé. Die EZB hat bei 2 Prozent pausiert, nachdem sie monatelang gesenkt hatte. Die Bank of Japan hält bei 0,75 Prozent — dem höchsten Niveau seit über einem Jahrzehnt. Das globale Zinsumfeld hat sich fundamental verändert: Statt der erhofften Lockerungswelle stehen die Zentralbanken mit dem Rücken zur Wand.

Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, wann die nächste Senkung kommt, sondern ob überhaupt noch gesenkt wird. Mit dem Hormuz-Konflikt, steigenden Energiepreisen und einer Inflationsprognose, die in die falsche Richtung zeigt, hat die Fed praktisch keinen Spielraum mehr. Der Markt muss sich auf ein neues Normal einstellen: höhere Zinsen für länger — und das bei einer Wirtschaft, die bereits Risse zeigt.