Die Straße von Hormuz ist nicht mehr einfach nur blockiert — sie ist selektiv blockiert. Und genau das macht die Lage so brisant. Iran lässt chinesische und indische Tanker passieren, verlangt dafür aber die Abwicklung in Yuan. Westliche Tanker werden zurückgehalten. Was auf den ersten Blick wie eine militärische Maßnahme aussieht, ist in Wahrheit ein währungspolitischer Coup, der die Dollar-Hegemonie direkt angreift.

Die Profiteure stehen fest: Russland kassiert zusätzlich 150 Millionen Dollar pro Tag, weil seine Tanker über alternative Routen liefern und Aufschläge verlangen. Washington reagiert paradox — die USA heben Sanktionen gegen russische Tanker auf, um die eigene Energieversorgung zu sichern. Das gleiche Russland, das man seit Jahren wirtschaftlich erwürgen will, wird jetzt zum unverzichtbaren Lieferanten. Die Heuchelei ist atemberaubend.

Für Europa wird die Lage existenzbedrohlich. Ohne Zugang zu Hormuz sind 20 Prozent des globalen Öltransits abgeschnitten. Die Alternative, die Washington anbietet, ist amerikanisches LNG — zu Preisen, die drei- bis viermal so hoch liegen wie Pipeline-Gas aus Russland. Europa wird nicht befreit, Europa wird in eine neue Abhängigkeit gedrängt — diesmal von Washington statt von Moskau.

Die eigentliche Nachricht hinter der Nachricht: Die Yuan-Bedingung für den Hormuz-Transit ist ein Gamechanger. Wenn ein Drittel des globalen Ölhandels plötzlich in Yuan abgewickelt wird, beschleunigt das die Entdollarisierung massiv. Der Dollar-Anteil an den Weltreserven ist bereits auf dem niedrigsten Stand seit 1994. Was in Hormuz passiert, ist kein Krieg um Öl — es ist ein Krieg um die Zukunft des Dollars.