Während die Welt auf den Ölpreis starrt, braut sich auf einem anderen Rohstoffmarkt eine Krise zusammen, die weitaus gravierendere Folgen haben könnte. Ein Drittel des globalen Düngemittelhandels läuft durch die Straße von Hormuz. Mit der selektiven Blockade ist dieser Handelsweg für westliche Schiffe praktisch geschlossen. Die Folge: Harnstoffpreise sind um 30 Prozent gestiegen — und das ist erst der Anfang.

In Indien stehen bereits Fabriken still, die auf importierte Düngemittel-Rohstoffe angewiesen sind. Zwar darf Indien als Teil der Yuan-Koalition durch Hormuz passieren, aber die Lieferketten sind so komplex vernetzt, dass Teilblockaden das gesamte System lahmlegen. Indische Landwirte stehen vor der Frühjahrssaison ohne ausreichend Dünger — in einem Land, das 1,4 Milliarden Menschen ernähren muss.

In den USA reagieren die Farmer bereits. Der Trend geht weg vom düngerintensiven Maisanbau hin zu Sojabohnen, die weniger Stickstoffdünger benötigen. Das klingt nach einer rationalen Anpassung, hat aber enorme Konsequenzen: Mais ist die Grundlage für Tierfutter, Ethanol und Hunderte von Lebensmittelprodukten. Weniger Mais bedeutet höhere Fleischpreise, höhere Benzinpreise und höhere Lebensmittelpreise — alles gleichzeitig.

Die Düngemittelkrise zeigt, wie vernetzt die globalen Rohstoffmärkte wirklich sind. Eine Blockade im Persischen Golf schlägt nicht nur auf den Ölpreis durch, sondern auf Lebensmittelpreise weltweit. Die westlichen Regierungen haben für Öl strategische Reserven angelegt — für Düngemittel gibt es nichts dergleichen. Die nächste Inflationswelle kommt nicht von der Tankstelle, sondern aus dem Supermarkt.