Gold fällt — und zwar den siebten Tag in Folge. Der Preis liegt jetzt bei 4.758 Dollar, Silber verliert 4 Prozent auf 72,26 Dollar. Auf den ersten Blick widerspricht das jeder Logik: Krieg am Golf, Stagflation, Fed ohne Spielraum — das müssten perfekte Bedingungen für Edelmetalle sein. Aber wer den Papiermarkt versteht, weiß, was hier passiert.

Die COMEX markiert neue Tiefs bei den offenen Kontrakten. Das bedeutet: Große Händler liquidieren Papierpositionen, um Margin Calls zu bedienen, die durch die Verluste an den Aktienmärkten entstanden sind. Es ist kein physischer Verkauf — es ist ein Zwangsverkauf auf dem Papiermarkt. Die physische Nachfrage bleibt hoch, aber der Preis wird am Futures-Markt gemacht, nicht am physischen Markt.

Die fundamentale Lage für Gold und Silber hat sich nicht geändert — im Gegenteil. Der Dollar-Anteil an den globalen Reserven ist auf den niedrigsten Stand seit 1994 gefallen. Die Zentralbanken kaufen Gold in Rekordmengen. JP Morgan hält an seinem Kursziel von 6.300 Dollar fest. Die aktuelle Schwäche ist technisch und temporär, nicht fundamental.

Besonders brisant wird es am 27. März, wenn die Silber-Kontrakte an der COMEX verfallen. Der Open Interest ist niedrig, die physischen Bestände an der COMEX schrumpfen seit Monaten. Sollte eine größere Anzahl von Kontrakten physische Lieferung verlangen, könnte es zu einem Short Squeeze kommen. Der aktuelle Rücksetzer könnte sich als die letzte Kaufgelegenheit vor einer massiven Rally entpuppen.