Wenn ein normaler Bürger mit Insiderwissen handelt, drohen ihm Jahre im Gefängnis. Wenn ein Kongressabgeordneter dasselbe tut, zahlt er 200 Dollar Bußgeld. Das ist keine Übertreibung, das ist der STOCK Act — das Gesetz, das Kongressmitglieder eigentlich davon abhalten sollte, ihr Wissen aus Ausschusssitzungen an der Börse zu vergolden. In der Praxis ist es eine Einladung.
Der jüngste Fall: Michael McCaul, Republikaner aus Texas und Mitglied im Verteidigungsausschuss, hat mit GE-Aerospace-Aktien eine Rendite von 82 Prozent erzielt — zeitlich perfekt abgestimmt auf Aufträge, die durch seinen Ausschuss liefen. Aber McCaul ist nur die Spitze des Eisbergs. Nancy Pelosi hat über die Jahre ein Handelsvolumen von 267 Millionen Dollar aufgebaut und dabei 146 Prozent Returns erzielt — Zahlen, die jeden Hedgefonds-Manager vor Neid erblassen lassen.
Der Markt hat längst reagiert — aber nicht so, wie man denken würde. Statt Empörung gibt es jetzt Wetten. Auf Polymarket und Kalshi kann man inzwischen auf die Trades einzelner Kongressabgeordneter wetten. Das Pentagon fordert gleichzeitig 200 Milliarden Dollar mehr Budget — und die Abgeordneten, die darüber abstimmen, halten Rüstungsaktien im Portfolio. Die Korruption ist so offensichtlich, dass sie schon nicht mehr als Skandal gilt.
Was hier passiert, ist die Institutionalisierung von Insiderhandel. Der Kongress schreibt die Gesetze, profitiert von den Gesetzen und bestraft sich selbst mit Taschengeld. Der STOCK Act ist kein Schutz — er ist ein Feigenblatt. Und solange die Wähler ihre Abgeordneten wiedergewählen, ändert sich nichts.
