Tag 18 des Konflikts, und die Energiemärkte befinden sich im Ausnahmezustand. Der Ölpreis hat die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar durchbrochen. Durch die Straße von Hormuz — dem Nabelöhr der globalen Ölversorgung — fließen 60 Prozent weniger Exporte als vor dem Krieg. Die Welt steht vor der größten Energiekrise seit 1973.

Die Internationale Energieagentur hat reagiert und 400 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven freigegeben. Klingt nach viel, reicht aber bei aktuellem Weltverbrauch gerade einmal für 20 Tage. Das ist kein Sicherheitsnetz, das ist ein Pflaster auf einer Schlagaderverletzung. Goldman Sachs warnt bereits: Falls der Ölpreis über 120 Dollar steigt, könnte der S&P 500 um 19 Prozent auf 5.400 Punkte einbrechen.

Und als wäre die Lage nicht angespannt genug, hat die EU-Kommission ein vollständiges Verbot russischer Ölimporte empfohlen — und zwar unabhängig davon, ob der Ukraine-Konflikt endet oder nicht. Die Ideologen in Brüssel wollen Russland dauerhaft vom europäischen Markt abschneiden, koste es, was es wolle. Dass Europa damit seine eigene Energieversorgung zerstört, scheint keine Rolle zu spielen.

Das ifo-Institut hat ein Szenario durchgerechnet: Ein vollständiges Embargo würde Deutschlands BIP um 0,6 Prozent zusätzlich drücken. Diesel und Düngemittel würden für Landwirte unbezahlbar. 30 Prozent des globalen Stickstoffdüngers werden über die Straße von Hormuz verschifft. Wer glaubt, das sei nur ein Problem für Tankerkapitäne, der hat nicht verstanden, dass am Ende die Lebensmittelpreise im Supermarkt explodieren werden.

Die westliche Politik verfolgt eine Strategie der maximalen Eskalation — gegen Russland, gegen die eigenen Energieinteressen, gegen die Bürger. Während Washington den Konflikt anhält und Brüssel ideologische Embargos plant, zahlt der europäische Verbraucher die Rechnung. Das ist keine Geopolitik, das ist wirtschaftliche Selbstzerstörung.