Die Federal Reserve tagt ab heute in Washington, und die Ausgangslage könnte kaum brisanter sein. Der aktuelle Leitzins liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, und praktisch niemand erwartet eine Änderung bei dieser Sitzung. Was die Märkte aber elektrisiert, ist der Empire State Manufacturing Index, der mit minus 0,2 erstmals ins Negative gerutscht ist — ein deutliches Warnsignal für die US-Industrie.
Die Prognosen der Großbanken driften dramatisch auseinander. JP Morgan erwartet für 2026 null Zinssenkungen, Goldman Sachs sieht die erste Senkung frühestens im September, und die Ökonomen von HFE gehen sogar noch weiter: Sie fordern eine Zinserhöhung, weil die Inflation bis zum Sommer auf 3,5 Prozent steigen könnte. Die Schere zwischen Markterwartung und ökonomischer Realität war selten so groß.
Der eigentliche Schlüsselmoment wird morgen der Dot Plot sein — die Zinsprognosen der einzelnen Fed-Mitglieder. Verschiebt sich der Median nach oben, wäre das ein Erdbeben für Aktien und Anleihen gleichermaßen. Die Stagflations-Angst, also steigende Preise bei gleichzeitig schrumpfender Wirtschaft, ist zurück auf dem Parkett.
Währenddessen zeigen sich die europäischen Märkte erstaunlich robust. Der DAX kletterte auf 23.400 Punkte, getrieben unter anderem von der Commerzbank, die um 7 Prozent zulegte, nachdem UniCredit sein Übernahmeangebot auf 30 Prozent erhöht hat. Am Freitag wartet dann der große Verfallstag: Quadruple Witching mit über 20 Milliarden Dollar an auslaufenden Optionen und Futures. Die Volatilität dürfte diese Woche nicht abnehmen.
