Am nächsten Sonntag wählt Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag — und die Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die CDU liegt bei 28 bis 29 Prozent, die SPD bei 26 bis 28 Prozent. Die eigentliche Nachricht aber ist die AfD: Sie hat sich auf 19 Prozent verdoppelt. In einem Bundesland, das traditionell als gemäßigt gilt, ist das ein politisches Erdbeben. Das Kölner Verwaltungsgericht hat derweil dem Verfassungsschutz per einstweiliger Verfügung untersagt, die AfD weiterhin als gesichert rechtsextremistisch einzustufen — ein juristischer Rückschlag für die Beobachtungsstrategie.
Kanzler Merz kommt mit einem Vertrauenswert von gerade einmal 32 Prozent in diese Wahl — nach nur wenigen Monaten im Amt. Die wirtschaftliche Lage gibt ihm keinen Rückenwind: 24.000 Insolvenzen wurden 2025 in Deutschland registriert. Die Metallindustrie verliert 10.000 Arbeitsplätze pro Monat. Das sind keine Zahlen aus einer Rezession — das ist ein industrieller Zusammenbruch in Zeitlupe.
Das Symbol dieser Krise ist Volkswagen. Der Konzern plant die Streichung von 15.000 bis 35.000 Stellen. Gleichzeitig wächst der chinesische Konkurrent BYD um 1.100 Prozent. Die deutsche Automobilindustrie, jahrzehntelang das Rückgrat der Exportnation, verliert den Anschluss — nicht an Tesla, sondern an China. Und die Politik diskutiert Wehrpflicht statt Industriepolitik.
Apropos Wehrpflicht: 50.000 Schüler haben landesweit gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstriert. Eine Generation, die keine Lust hat, für amerikanische Kriege im Nahen Osten oder an der NATO-Ostflanke verheizt zu werden. Die Proteste werden in den Medien als jugendlicher Überschwang abgetan — dabei sind sie ein klares politisches Signal.
Dazu kommt der Lufthansa-Pilotenstreik, der den ohnehin angeschlagenen Luftverkehr weiter belastet. Deutschland im März 2026: Insolvenzen, Jobverluste, Streiks, eine verdoppelte AfD und ein Kanzler ohne Rückhalt. Das ist kein Konjunkturtief — das ist eine Strukturkrise.
