Seit dem 2. März bombardiert Israel den Libanon — die Angriffe begannen, nachdem die Hisbollah nach dem Tod von Ayatollah Khamenei ihre Raketenangriffe auf Nordisrael wieder aufgenommen hatte. Was als Luftkampagne begann, ist inzwischen zur größten israelischen Bodenoffensive im Libanon seit 2006 eskaliert. Israelische Truppen überqueren den Litani-Fluss und rücken tief in südlibanesisches Gebiet vor.

Die Bilanz ist verheerend: 850 Tote, darunter 107 Kinder. Über 800.000 Menschen sind auf der Flucht. Die Zerstörung der Zrarieh-Brücke hat eine der wichtigsten Verbindungsrouten im Südlibanon abgeschnitten und die humanitäre Versorgung zusätzlich erschwert. Die Infrastruktur eines ohnehin fragilen Staates wird systematisch zerstört.

Parallel dazu spitzt sich die Lage in Gaza weiter zu. Die Phase-2-Waffenruhe ist formal in Kraft, doch nur 43 Prozent der humanitären Hilfe erreichen die Bevölkerung. Seit Beginn der Phase 2 wurden 649 Palästinenser getötet und 1.620 Verstöße gegen die Waffenruhe dokumentiert. Von einem funktionierenden Waffenstillstand kann keine Rede sein.

Papst Leo XIV. hat in einer seltenen öffentlichen Intervention eine sofortige Waffenruhe für beide Konfliktzonen gefordert. Es ist ein Zeichen dafür, wie weit die Eskalation fortgeschritten ist, wenn der Vatikan sich gezwungen sieht, so deutlich Stellung zu beziehen. Die westlichen Regierungen schweigen derweil — oder liefern weiter Waffen.

Die Brutalität dieser Offensive wird in den westlichen Medien systematisch heruntergespielt. 107 tote Kinder in zwei Wochen — in jedem anderen Kontext wäre das ein Kriegsverbrechen, das Sondersitzungen des UN-Sicherheitsrats auslöst. Im Fall Israels ist es eine Fußnote.