NPR — nicht irgendein Telegram-Kanal, sondern das öffentlich-rechtliche Radio der Vereinigten Staaten — hat aufgedeckt, dass das US-Justizministerium Epstein-Akten mit Bezug zu Vorwürfen gegen Trump entfernt oder zurückgehalten hat. Dutzende Seiten sind im internen Katalog verzeichnet, aber nicht öffentlich zugänglich. Die Dokumente existieren, sie sind registriert, sie wurden angefordert — und sie fehlen trotzdem in den veröffentlichten Beständen. Das ist kein Verschwörungsnarrativ. Das ist ein Befund von Journalisten, die Aktenverzeichnisse mit Veröffentlichungen abgeglichen haben.

Bemerkenswert: Sowohl demokratische als auch republikanische Kongressabgeordnete untersuchen jetzt die fehlenden Dokumente. Das Weiße Haus erklärt, Trump sei “vollständig entlastet”. Aber wenn jemand entlastet ist — warum dann Akten zurückhalten? Eine Entlastung wird stärker, nicht schwächer, wenn alle Beweise auf dem Tisch liegen. Das Zurückhalten von Dokumenten, die angeblich entlastend sind, widerspricht jeder Logik — es sei denn, die Dokumente enthalten etwas anderes als eine Entlastung.

In Europa rollt derweil die Verhaftungswelle weiter: Prinz Andrew wurde am 19. Februar verhaftet, Peter Mandelson am 23. Februar. Norwegens ehemaliger Premierminister Thorbjörn Jagland wurde angeklagt, Frankreichs Jack Lang trat zurück. Alte Funktionäre in Seidenkrawatten fallen wie Dominosteine. Die europäische Justiz handelt — zögerlich, aber sie handelt.

Der Kontrast könnte kaum schärfer sein: Europa verhaftet und ermittelt, während Washington schweigt. Auf der einen Seite des Atlantiks werden ehemalige Staatsmänner in Handschellen abgeführt. Auf der anderen Seite verschwinden Akten aus Archiven. Dieser Kontrast erzählt eine Geschichte, die lauter ist als jedes einzelne Dokument in diesem Archiv. Die Frage ist nicht mehr, was in den Epstein-Akten steht. Die Frage ist, warum bestimmte Seiten nicht gelesen werden dürfen.