IBM hat am Montag den schlimmsten Börsentag seit einem Vierteljahrhundert erlebt. Minus 13,2 Prozent an einem einzigen Handelstag, 30 Milliarden Dollar Marktwert ausradiert. Der Auslöser war kein Krieg, keine Rezession, kein Quartalsbericht — es war ein Blogpost.
Anthropic, der Entwickler des KI-Systems Claude, veröffentlichte einen Beitrag, in dem beschrieben wird, dass sein Claude-Code-Tool COBOL-Systeme modernisieren kann. COBOL, für Nicht-Eingeweihte, ist eine Programmiersprache aus den späten 1950er-Jahren, die bis heute 95 Prozent aller Geldautomaten-Transaktionen in den USA abwickelt.
IBMs gesamtes Mainframe-Geschäft lebt davon, dass die Modernisierung dieses Codes so teuer und kompliziert ist, dass Unternehmen lieber die alte Hardware behalten, als den Umstieg zu wagen. Was früher Jahre dauerte, soll KI nun in Quartalen schaffen. Die Beraterarmeen, die sich jahrzehntelang an COBOL-Migrationen verdient haben, stehen plötzlich vor einer existenziellen Bedrohung.
IBM verteidigt sich mit dem Argument, dass der Wert des Unternehmens in der Plattform liege, nicht in der Programmiersprache. Das mag stimmen. Aber der Markt hat erst einmal 30 Milliarden Dollar abgezogen. Im gesamten Februar hat IBM 27 Prozent verloren — der schlechteste Monat seit 1968. Da war die Mondlandung noch ein Jahr entfernt.
Und es bleibt nicht bei IBM. Die gesamte Software-Branche steht unter Dauerfeuer. Der iShares-Software-ETF hat seit Jahresanfang über 25 Prozent verloren. Cybersecurity-Aktien wie CrowdStrike und Datadog werden abverkauft, weil die Angst umgeht, dass KI-generierter Code die Nachfrage nach traditioneller Software dezimiert.
“Vibe Coding” nennen sie das neue Phänomen: Nutzer schreiben sich ihre eigenen Anwendungen mit KI-Hilfe, und die Softwarehäuser schauen in die Röhre. Das ist ein tektonischer Shift, und die Börse steht erst am Anfang, ihn einzupreisen.
