Heute ist Fed Decision Day, und es ist Powells vorletzte Pressekonferenz als Chairman der Federal Reserve. Die Märkte preisen mit 93 Prozent Wahrscheinlichkeit ein Halten des Leitzinses bei 3,50 bis 3,75 Prozent ein — eine Bewegung erwartet niemand. Doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist der Dot Plot, die Zinsprognosen der einzelnen Fed-Mitglieder, die heute veröffentlicht werden.
Der Dot Plot wird zum absoluten Schlüsselmoment. Verschiebt sich der Median nach oben, wäre das ein klares Signal: Die Fed sieht Stagflation als reale Gefahr — steigende Preise bei gleichzeitig schrumpfender Wirtschaft. Die Angst davor ist zurück auf dem Parkett, und sie ist berechtigt. Die Zölle treiben die Inputkosten nach oben, während der Iran-Krieg die Energiepreise auf Mehrjahreshochs hält.
Dazu kommt die politische Dimension: Kevin Warshs Nominierung als Powells Nachfolger steckt im Senat fest. Die Demokraten blockieren, und selbst einige Republikaner haben Bedenken. Wenn Warsh nicht durchkommt, steht die Fed ab nächstem Jahr ohne klare Führung da — mitten in der größten geopolitischen Krise seit Jahrzehnten.
Powell selbst wird heute versuchen, die Märkte zu beruhigen, aber seine Werkzeuge sind begrenzt. Senkt er die Zinsen, riskiert er eine Inflationsspirale. Hält er sie oben, würgt er die ohnehin schwache Wirtschaft ab. Das ist das klassische Stagflations-Dilemma, und die Fed hat keine gute Antwort darauf. Die Märkte werden jedes Wort auf die Goldwaage legen.
