Die Straße von Hormuz ist der Flaschenhals der globalen Energieversorgung. Jeden Tag passieren Tanker mit rund zwanzig Prozent des weltweiten Öls diese schmale Wasserstraße zwischen dem Iran und dem Oman. An der engsten Stelle ist die Fahrrinne gerade einmal sechs Kilometer breit. Ein einziger Zwischenfall kann den gesamten Weltmarkt in Atem halten — und jetzt haben die USA und Israel den Staat bombardiert, der eine Seite dieser Meerenge kontrolliert.
Am Freitag lagen die Ölpreise bei WTI 65,50 Dollar und Brent 71 Dollar. Diese Preise spiegeln eine Welt wider, in der noch verhandelt wurde. Eine Welt, in der die dritte Genfer Runde Fortschritte meldete und technische Teams nach Wien flogen. Diese Welt existiert seit Samstagabend nicht mehr. Was am Montag auf den Bildschirmen erscheint, wird ein völlig anderes Bild zeigen.
Wenn der Iran die Meerenge sperrt — und die Drohung steht seit Jahren im Raum —, reden wir nicht über ein paar Dollar mehr am Zapfhahn. Wir reden über eine globale Energiekrise. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Irak, Katar — sie alle sind auf die Straße von Hormuz angewiesen, um ihr Öl und Gas auf den Weltmarkt zu bringen. Alternative Pipelines existieren, aber sie decken nur einen Bruchteil der Kapazität ab.
Die Risikoprämie auf Öl wird am Montag explodieren. Versicherungsraten für Tanker im Persischen Golf werden in die Höhe schießen. Reedereien werden Routen umlenken. Und die EZB, die gerade über eine mögliche Zinssenkung im März debattierte? Wenn der Ölpreis durch die Decke geht, kommt die Inflation zurück — und jeder Zinssenkungstraum ist ausgeträumt.
Für die Silber-Märkte kommt eine zusätzliche Komplikation: Die Abwicklung des First Notice Day — wer physisch liefern muss, hat jetzt noch größere Probleme, wenn Logistikrouten im Persischen Golf gestört sind. Die nächsten Tage werden zeigen, wie weit diese Eskalation die globalen Lieferketten trifft.
