Chicagos Fed-Chef Austan Goolsbee hat gestern unmissverständlich klargemacht, wohin die Reise bei den Zinsen geht: Keine Zinssenkungen, bevor die Inflation nicht nachweislich Richtung 2 Prozent dreht. Aktuell steht die Kerninflation bei 3 Prozent.
“Bei 3 Prozent stehenzubleiben ist kein sicherer Ort”, sagte Goolsbee wörtlich. Er sei zwar optimistisch, dass bis Jahresende noch Senkungen kommen könnten, aber das Wort “vorsichtig” fiel gefühlt 15 Mal in seinem Statement.
Besonders spannend: Goolsbee stellt sich explizit gegen die Produktivitäts-Euphorie von Fed-Vorsitz-Kandidat Kevin Warsh, der argumentiert, KI-getriebene Produktivitätssteigerungen würden die Inflation von allein drücken.
Goolsbees Gegenbeispiel kommt aus der Praxis: In Cedar Rapids, Iowa, könne niemand mehr einen Klimatechniker einstellen, weil die Rechenzentren alle Fachkräfte aufsaugen. Die Preise für Handwerksleistungen explodieren. In Virginia steigen die Strompreise. In Iowa werden Maisfelder zu Serverfarmen umgewidmet.
Die KI-Revolution, die angeblich alles billiger machen soll, macht im Moment erst einmal alles teurer. Die Rechenzentren der Hyperscaler — mit geschätzt 700 Milliarden Dollar Investitionen allein 2026 — binden Ressourcen, Fachkräfte und Energie in einem Ausmaß, das die lokale Inflation anheizen statt dämpfen.
Für die Märkte bedeutet das: Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen bleibt vorerst genau das — eine Hoffnung. Solange die Zölle die Importpreise treiben und die KI-Infrastruktur die Faktorpreise nach oben drückt, sitzt die Fed in der Falle. Und Nassim Taleb brachte es am Wochenende auf den Punkt: Selbst wenn man Einstein in die Fed setzen würde, könnte der eine ölpreisgetriebene Stagflation nicht lösen.
