Gestern früh stand WTI bei 104 Dollar 13, als die US-Blockade iranischer Häfen in Kraft trat. Innerhalb von 24 Stunden ist der Preis auf 97 Dollar 29 abgestürzt — ein Rückgang von fast 7 Dollar oder knapp 7 Prozent. Brent liegt bei rund 99 Dollar. Was ist passiert? China fährt einfach durch.

Chinas Verteidigungsminister Admiral Dong Jun hat öffentlich bestätigt, dass chinesische Schiffe weiterhin durch die Straße von Hormuz fahren — Blockade hin oder her. Peking betrachtet die US-Aktion nicht als Seekriegsrecht, sondern als einseitige Provokation. Die chinesische Marine eskortiert eigene Tanker durch das Nadelöhr, und bislang hat kein amerikanisches Kriegsschiff den Versuch unternommen, ein chinesisches Schiff zu stoppen.

Solange Pekings Tanker durchkommen, fließen rund 1,5 Millionen Barrel iranisches Öl pro Tag weiter in den Markt — und die Angstprämie, die gestern noch 8 Prozent Aufschlag rechtfertigte, schmilzt. ANZ rechnet inzwischen damit, dass Brent bis Jahresende auf 88 Dollar fällt, wenn sich die Lage nicht weiter eskaliert.

Was wir hier sehen, ist die Enthüllung eines Bluffs: Die USA haben eine Blockade verkündet, die sie gegen den größten Abnehmer iranischen Öls nicht durchsetzen können — oder nicht durchsetzen wollen. Der Markt hat das in Stunden verstanden. Gold hält sich bei 4.790 Dollar 50 stabil, während Öl abstürzt — ein Signal, dass die fundamentale Unsicherheit bleibt, auch wenn die Kriegsprämie beim Öl überzogen war.

Kernfakten: WTI -7% auf 97,29$ | Brent ~99$ | China eskortiert eigene Tanker | 1,5 Mio. Barrel/Tag fließen weiter | ANZ: Brent 88$ bis Jahresende | Gold stabil bei 4.790$