Italien wird zum Sorgenkind der Europäischen Union — nicht politisch, das war es unter Berlusconi schon, sondern am Anleihemarkt. Die Renditen 2-jähriger italienischer Staatsanleihen sind im März um 75 Basispunkte gestiegen, der größte Monatsanstieg seit 2022. Der BTP-Bund-Spread ist kurzzeitig über 100 Basispunkte gesprungen — der höchste Stand seit 9 Monaten.

Commerzbank prognostiziert eine Rezession für das 1. Halbjahr — 2 aufeinanderfolgende Quartale mit sinkendem BIP. Der Grund: Italien ist die gasabhängigste Volkswirtschaft Europas. 38 Prozent der Energieversorgung stammen aus Gas, und Rom ist der größte LNG-Importeur der EU aus dem Persischen Golf.

Dazu kommt Melonis schleichender Machtverlust: verlorenes Justizreferendum, 3 entlassene Regierungsmitglieder wegen Finanz- und Mafiaskandalen, ein Haushaltsdefizit von 3,1 Prozent statt der versprochenen 3,0 Prozent. Capital Economics rechnet mit 3,5 Prozent Defizit in diesem Jahr statt der angepeilten 2,8 Prozent.

Sowohl Meloni als auch Finanzminister Giorgetti fordern Brüssel auf, die EU-Haushaltsregeln auszusetzen, falls der Iran-Krieg weitergeht — bislang bekommt Rom taube Ohren. Das Zusammenspiel aus Energieabhängigkeit, politischer Instabilität und fiskalischem Schlendrian macht Italien zur Schwachstelle der Eurozone.

Kernfakten: 2J-Renditen +75 Basispunkte im März | BTP-Bund-Spread über 100 BP | Rezession im 1. HJ erwartet | 38% Energieversorgung aus Gas | Defizit 3,5% statt 2,8%