Seit Ende Februar blockiert der Iran die Straße von Hormuz und erhebt Maut auf jedes Schiff, das passiert. Die westlichen Medien nannten das Piraterie, Erpressung, Geiselnahme an der Weltwirtschaft. Ab heute blockieren die Vereinigten Staaten ihrerseits den Schiffsverkehr im selben Gewässer. 2 Blockaden, 2 vermeintliche Gegner — und das Ergebnis für den Rest der Welt ist identisch: Kein Öl kommt durch.
Washington bekommt seinen Hebel gegen China, das bis vor kurzem Hauptabnehmer iranischen Öls war. Die amerikanische Energieindustrie verdient sich dumm und dämlich, während Schiefergas und Tight Oil plötzlich wieder wettbewerbsfähig sind. Die Rüstungsindustrie schwimmt in Aufträgen. Die Schwellenländer, die ohnehin schon am IWF-Tropf hingen — Ägypten, Pakistan, Sri Lanka — werden durch den Ölpreisschock zurück in die Abhängigkeit getrieben.
IWF-Chefin Georgieva rechnet mit 20 bis 50 Milliarden Dollar Notfallhilfe. Ägyptens Pfund hat seit Kriegsbeginn über 10 Prozent verloren, 8 Milliarden Dollar Investorenkapital sind geflohen, 30 Milliarden an Schuldenrückzahlungen stehen an. Pakistan hat die Benzinpreise zum 2. Mal erhöht, Schulen waren im März 2 Wochen geschlossen. Wer ein Muster erkennt — Krise erzeugen, Abhängigkeit verschärfen, Kontrolle ausbauen —, der liegt genau richtig.
In Washington beginnen diese Woche die Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank — und die Schlange der Bittsteller wird länger als die Straße von Hormuz selbst. Cui bono war noch nie so leicht zu beantworten: Beide Seiten profitieren von der Eskalation, während die Schwellenländer den Preis zahlen.
