Die geldpolitische Wende nimmt Formen an, die vor wenigen Wochen noch undenkbar schienen. Im CME FedWatch-Tool preisen mittlerweile sechzehn Prozent der Marktteilnehmer eine Zinserhöhung ein — nicht eine Senkung, sondern eine weitere Straffung der Geldpolitik. Vor nur einem Monat lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei null Prozent.
Grund für den Stimmungsumschwung ist die unerbittliche Inflation. Die OECD hat ihre Prognose für die USA auf 4,2 Prozent angehoben, während die Anleiherenditen bereits in die Höhe schießen. Die Zehnjährige US-Staatsanleihe handelt bei 4,34 Prozent. Die Fed sitzt in einer klassischen Falle: Die Wirtschaft kühlt ab, doch die Preise explodieren weiter.
PCE-Index als letzte Hoffnung
Die US-Regierung steht zudem vor einer Refinanzierungswelle. Zwanzig Prozent der Steuereinnahmen müssen bereits für den Schuldendienst aufgewendet werden — der höchste Wert seit 1960. Sollte der am Freitag anstehende PCE-Preisindex (das "Fieberthermometer der Fed") höher ausfallen als erwartet, dürfte jede Hoffnung auf Zinssenkungen im Jahr 2026 endgültig begraben werden.
Stagflation ist längst kein theoretisches Szenario mehr. Die Notenbank steht vor der Wahl, entweder die Inflation laufen zu lassen oder die Wirtschaft durch höhere Zinsen in eine tiefe Rezession zu stürzen. Für Anleger bedeutet dies ein Umdenken: In einem Umfeld steigender Zinsen und sinkenden Wachstums verlieren traditionelle Aktienbewertungen an Boden. Vorsicht ist das Gebot der Stunde.
