Ein historischer Moment für die deutsche Industrie — allerdings einer mit bitterem Beigeschmack. BASF eröffnet heute in Zhanjiang, Südchina, sein größtes Auslandswerk aller Zeiten. Mit einem Investitionsvolumen von 8,7 Milliarden Euro ist es das größte Einzelinvestment eines deutschen Unternehmens in der Volksrepublik.

Während in China das rote Band durchschnitten wird, kämpft der heimische Standort Deutschland mit dem Überleben. Die Energiepreise erwürgen jede rentable Produktion, was dazu führt, dass die Metall- und Chemieindustrie monatlich Tausende von Arbeitsplätzen abbaut. Der Exodus des industriellen Kerns ist in vollem Gange.

Lehren aus der Geschichte? Fehlanzeige.

Kritiker werfen der BASF-Führung vor, aus der Russland-Abhängigkeit nichts gelernt zu haben. Erneut werden Milliarden in einen autoritären Staat investiert, der geopolitisch auf Konfrontationskurs zum Westen steht. Sollte es zum Konflikt um Taiwan kommen, droht BASF derselbe Totalverlust wie einst in Russland — nur in einer weitaus größeren Dimension.

Die Entscheidung für China ist jedoch aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar: Die Energiekosten in Deutschland machen Wettbewerbsfähigkeit unmöglich. Der Standort Deutschland hat sich innerhalb kürzester Zeit vom Weltmarktführer zum Sanierungsfall entwickelt, während das Kapital dorthin fließt, wo die Bedingungen günstiger sind.

ifo-Erwartungen im freien Fall

Der jüngste ifo-Index unterstreicht die dramatische Lage. Die Erwartungen der deutschen Unternehmen brachen auf 86 Punkte ein. Der Krieg am Golf hat jede Hoffnung auf eine Frühjahrserholung eingefroren. Stattdessen diskutiert Berlin über Mehrwertsteuererhöhungen, um die Löcher im Haushalt zu stopfen — ein Treppenwitz angesichts der industriellen Flucht.

Industrie-Check: 8,7 Mrd. € Investment | Zhanjiang Vollbetrieb | ifo Erwartung 86,0 | Insolvenzwelle DE