Der jüngste ifo-Geschäftsklimaindex bestätigt die düsteren Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Der Index sank im März von 88,6 auf einen Wert unter 87 Punkte. Damit ist die zaghafte Erholung des Vormonats jäh beendet worden — abgewürgt durch den massiven Energieschock am Golf.
Benzinpreise über 2,10 Euro und Gasspeicher auf Rekordtiefstständen belasten sowohl Konsumenten als auch die Industrie. Besonders die Chemiebranche leidet und meldet Auftragsbestände auf dem Niveau von 1996. Die Lage ist ernst, und ein Ende der Energiekrise ist nicht abzusehen.
EZB in der Zwickmühle
Während die Wirtschaft schrumpft, sieht sich die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen, die Zinsen weiter anzuheben. Die Inflation in der Eurozone steigt, getrieben durch Energie- und Lebensmittelpreise. Der Markt preist bereits zwei weitere Zinserhöhungen bis zum Jahresende ein.
Dieses Szenario nennt man Stagflation: stagnierende oder schrumpfende Wirtschaft bei gleichzeitig hoher Inflation. Es ist das hässlichste Szenario für Notenbanker, da Zinserhöhungen zwar die Inflation bekämpfen, aber die rezessiven Tendenzen weiter verschärfen.
Chemieindustrie am Abgrund
Das Flaggschiff der deutschen Industrie, der Technologiesektor und die Chemie, stehen unter massivem Druck. Während SAP-Aktien nach einer Abstufung durch JPMorgan nachgeben, kämpfen mittelständische Betriebe ums Überleben. Ohne eine grundlegende Lösung der Energiefrage droht Deutschland ein dauerhafter industrieller Abstieg.
