Die deutsche Energieversorgung steht vor einer Zerreißprobe. Laut jüngsten Daten der Bundesnetzagentur sinken die Füllstände der Gasspeicher rasant. Für Ende März wird ein kritischer Stand von nur noch 13 Prozent prognostiziert. Besonders dramatisch ist die Lage im bayerischen Speicher Wolfersberg, der bereits bei einem Füllstand von nur sechs Prozent angelangt ist.
Dies ist kein regulärer Rückgang zum Winterende, sondern eine existenzielle Bedrohung für die deutsche Industrie. Während die Speicherung abnimmt, müssen laut EU-Verordnung bis zum 1. November wieder 90 Prozent erreicht werden. Angesichts des Importverbots für russisches Pipeline-Gas und der Blockade der Straße von Hormuz bleibt völlig unklar, woher diese Mengen kommen sollen.
Industrie-Exodus: BASF setzt auf China
Während die Energiepreise in Deutschland die Produktion zunehmend unrentabel machen, zieht die Industrie Konsequenzen. Der Chemie-Riese BASF treibt seine Expansion in China massiv voran. Ein neues Rekord-Werk in Zhanjiang steht vor der Eröffnung, was Investitionen in Milliardenhöhe bedeutet.
Gleichzeitig werden am Stammsitz in Ludwigshafen und an anderen deutschen Standorten Kapazitäten abgebaut und Stellen gestrichen. Die "Flucht nach China" ist eine direkte Reaktion auf die unsichere und teure Energieversorgung in der Heimat. Die deutsche Chemieindustrie, einst das Rückgrat des Wohlstands, vegetiert auf dem Auftragsniveau von 1996.
Der LNG-Preiskampf beginnt
Im April wird ein erbitterter Wettbewerb auf dem globalen LNG-Spotmarkt erwartet. Dreiundzwanzig EU-Staaten mit leeren Speichern werden gleichzeitig versuchen, Lieferungen zu sichern. Dabei konkurrieren sie direkt mit asiatischen Schwergewichten wie China, Japan und Südkorea, was die Preise in neue Höhen treiben dürfte.
