Sonntagabend, Baden-Württemberg — ein Wahlergebnis, das die Geschichte eines Landes in der Identitätskrise erzählt. Die Grünen sind mit 30,2 Prozent stärkste Kraft geworden, ein halbes Prozent vor der CDU bei 29,7. Cem Özdemir wird Ministerpräsident, Grün-Schwarz wird fortgesetzt.
Darunter brodelt es gewaltig. Die AfD hat sich mit 18,8 Prozent fast verdoppelt — plus neun Punkte, fünfunddreißig Sitze im Landtag. Jeder fünfte Baden-Württemberger hat die Partei gewählt.
Die eigentliche Sensation: Die SPD ist auf 5,5 Prozent abgestürzt — erstmals einstellig in der Geschichte des Landes, zehn kümmerliche Sitze. Die älteste Partei Deutschlands, in einem ihrer Kernländer, an der Fünfprozenthürde.
Und die FDP? 4,4 Prozent. Raus. Zum ersten Mal seit 1952 nicht mehr im Stuttgarter Landtag. Die liberale Tradition dieses Landes, das Erbe von Genscher und Lambsdorff in ihrem historischen Stammland — ausradiert. Die Wahlbeteiligung lag bei fast siebzig Prozent. Die Menschen gehen wählen — aber sie wählen nicht mehr die alten Parteien.
